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Angebotspreis festlegen: Warum ein zu hoher Einstiegspreis teuer wird

Autorenbild: Jonas Nonnenprediger
Jonas Nonnenprediger
9. Okt.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Den Angebotspreis einer Immobilie festlegen bedeutet: zuerst den Marktwert sauber ermitteln und darauf eine begründete Preisstrategie aufbauen. Ein Wunschpreis ohne Datenbasis und ohne Plan verschafft keinen Vorteil, sondern verbraucht die Aufmerksamkeit der ersten Wochen – und gerade dann ist die Nachfrage nach einem neuen Angebot am größten. Wer später planlos nachsteuern muss, verkauft in der Regel langsamer und nicht teurer. Dieser Beitrag erklärt, wie der Angebotspreis entsteht, woran ein zu hoher Preis scheitert, wie eine geplante Preisstaffel funktioniert und was Eigentümer in Schwerin und Umgebung dabei beachten sollten.


Den richtigen Angebotspreis finden mit Immobilienmakler Jonas Nonnenprediger in Schwerin

Angebotspreis, Verkehrswert und Verkaufspreis sind drei verschiedene Größen


Im Alltag werden diese Begriffe oft vermischt, im Verkauf haben sie völlig unterschiedliche Funktionen. Der Angebotspreis ist eine freie Entscheidung des Eigentümers. Der Verkehrswert ist dagegen eine fachliche Einschätzung, die sich an tatsächlichen Kaufpreisen orientiert: Nach § 194 Baugesetzbuch ist es der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gegebenheiten, der Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks zu erzielen wäre – ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse. Der Verkaufspreis ist das, was am Ende im Kaufvertrag beurkundet wird. Und der Beleihungswert ist die Größe, mit der die finanzierende Bank des Käufers rechnet; er entscheidet mit darüber, ob ein Angebot überhaupt finanzierbar ist.


Begriff

Wer bestimmt ihn

Bedeutung für den Verkauf

Angebotspreis

Eigentümer, meist mit Makler

Preis, mit dem die Immobilie in den Markt geht; frei wählbar

Verkehrswert (Marktwert)

Bewertung nach § 194 BauGB und ImmoWertV

Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr erzielbar wäre

Beleihungswert

finanzierende Bank des Käufers

Grundlage der Finanzierung; begrenzt faktisch das Käuferbudget

Verkaufspreis

Markt, beurkundet im Kaufvertrag

tatsächliches Ergebnis des Verkaufs


Die praktische Folge dieser Unterscheidung: Ein Angebotspreis kann beliebig hoch sein, ein Verkaufspreis nicht. Der Markt korrigiert jede Differenz – nur eben über Zeit und über Verhandlung, nicht über Zustimmung.


Den Angebotspreis einer Immobilie festlegen: diese Daten entscheiden


Eine belastbare Preisfindung beginnt nicht mit einer Wunschzahl, sondern mit Daten. Je nach Objektart stehen drei Verfahren im Vordergrund, die auch die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) vorsieht.


Vergleichswertverfahren

Für Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Eigentumswohnungen ist der Vergleich mit tatsächlich verkauften, ähnlichen Objekten der wichtigste Zugang. Die belastbarste Datenquelle sind dabei nicht Portalanzeigen, sondern die Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses: Dort werden beurkundete Kaufpreise erfasst und keine Preisvorstellungen.


Sachwertverfahren

Bei Objekten ohne ausreichende Vergleichsfälle – etwa individuell geplanten Häusern – werden Bodenwert und Herstellungskosten des Gebäudes abzüglich Alterswertminderung angesetzt. Das Ergebnis muss anschließend über Marktanpassungsfaktoren an die regionale Nachfrage angepasst werden, sonst entsteht ein rechnerischer Wert ohne Marktbezug.


Ertragswertverfahren

Bei vermieteten Wohnungen und Mehrfamilienhäusern zählt der nachhaltig erzielbare Mietertrag. Käufer bewerten hier vor allem Rendite, Mietvertragslage und Instandhaltungsstau – nicht die Wohnwünsche einer Familie.


Dazu kommen Faktoren, die kein Verfahren allein abbildet: Zustand und Baujahr, Energiekennwerte, Grundstücksgröße und Bebaubarkeit, die Lage im Quartier sowie die Vollständigkeit der Unterlagen. Eine strukturierte Wertermittlung führt diese Punkte zusammen und macht den Preis begründbar – gegenüber Interessenten, gegenüber finanzierenden Banken und gegenüber Ihnen selbst.


Warum ein zu hoher Einstiegspreis teuer wird


Ein Angebotspreis, der ohne Bezug zum Marktwert und ohne Plan festgelegt wird, wirkt nicht neutral, sondern löst eine Kette von Reaktionen aus. Fünf Mechanismen sind dabei besonders wichtig:


  1. Das Aufmerksamkeitsfenster verstreicht. Ein neues Angebot erreicht in den ersten Wochen die Abonnenten des Immobilien-Newsletters und die aktiv Suchenden auf den Portalen. Wer in dieser Phase zu teuer ist, verbraucht genau die Nachfrage, die am schnellsten reagiert.

  2. Suchfilter schließen die Immobilie aus. Interessenten suchen in Preisklassen. Liegt der Angebotspreis knapp über einer gängigen Grenze, erscheint das Objekt bei einem Teil der passenden Käufer gar nicht in den Ergebnissen.

  3. Der falsche Vergleich entsteht. Zu einem hohen Preis wird die Immobilie mit besser ausgestatteten oder besser gelegenen Objekten verglichen. In diesem Vergleich verliert sie – obwohl sie zum passenden Preis überzeugt hätte.

  4. Die Finanzierung bremst. Auch ein überzeugter Käufer braucht eine Bank, die den Preis mitträgt. Weicht der Kaufpreis deutlich vom Beleihungswert ab, verzögern sich Zusagen oder sie bleiben aus.

  5. Ungeplante Preisreduzierungen senden ein Signal. Hektische, nicht nachvollziehbare Senkungen signalisieren Verhandlungsdruck und laden zu weiteren Abschlägen ein. Angebote, die sehr lange ohne erkennbare Strategie online stehen, werden zudem schnell als Problemfall eingeordnet – unabhängig vom tatsächlichen Zustand der Immobilie.


Hinzu kommt ein Punkt, der selten mitgerechnet wird: die laufenden Kosten. Jeder Monat ohne Verkauf bedeutet weiter Grundsteuer, Versicherung, Energie und Instandhaltung, bei finanzierten Objekten zusätzlich Zinsen.


Wie groß der Verhandlungsspielraum sein darf


Ein Aufschlag auf den Marktwert ist üblich und sinnvoll, weil Käufer verhandeln möchten und weil der Markt einen höheren Preis durchaus hergeben kann. Entscheidend ist, dass der Startpreis mit einem Plan verbunden ist. Bewährt hat sich eine vorab festgelegte Kaufpreisstaffel: Die Vermarktung beginnt mit einem höheren Preis; gibt die Nachfrage ihn nicht her, wird der Preis in festgelegten Stufen angepasst. Ist genügend qualifizierte Nachfrage da, bleibt er länger in einer Stufe. So wird der bestmögliche Marktpreis ausgelotet, ohne dass die Immobilie wochenlang zu einem Preis steht, für den sich niemand interessiert.


Sinnvoll ist außerdem, den Preis vor der Veröffentlichung gegen die eigene Untergrenze zu prüfen. Wer weiß, welcher Betrag für die Ablösung eines Kredits, den Ausgleich in einer Erbengemeinschaft oder den Kauf einer neuen Immobilie benötigt wird, verhandelt ruhiger und entscheidet schneller. Erst wenn Marktwert, Angebotspreis und persönliche Untergrenze zueinander passen, ist der Immobilienverkauf wirklich vorbereitet.


Festpreis oder Preis auf Anfrage?

Ein Angebot ohne Preisangabe wirkt in vielen Fällen eher abschreckend, weil Interessenten ihre Suche über Preisfilter steuern und ein Objekt ohne Preis dort nicht auftaucht. Ein klar benannter, begründbarer Preis schafft dagegen Orientierung. Sonderformen wie ein Bieterverfahren können bei sehr knappem Angebot und hoher Nachfrage sinnvoll sein, verlangen aber eine saubere Vorbereitung und klare, für alle Interessenten gleiche Regeln.


Der Angebotspreis im Schweriner Markt


Für Schwerin liegen amtliche Zahlen vor, die eine Preisfindung stützen. Der Grundstücksmarktbericht der Landeshauptstadt Schwerin, veröffentlicht am 12. Mai 2026, weist für das Jahr 2025 insgesamt 649 Kaufverträge aus. Der langfristige Durchschnitt liegt bei rund 750 Verträgen, die Zahl der Abschlüsse steigt damit das zweite Jahr in Folge. Der Geldumsatz lag bei 224 Millionen Euro.


Für sanierte freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser nennt der Bericht Preise von 2.530 bis 3.150 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, für Doppelhaushälften und Reihenendhäuser 2.530 bis 2.660 Euro. Durchschnittlich ausgestattete Eigentumswohnungen zwischen 45 und 120 Quadratmetern lagen im Mittel bei 1.940 Euro je Quadratmeter und damit rund 30 Euro über dem Vorjahreswert. Mehrfamilienhäuser erreichten je nach Modernisierungsstand 1.400 beziehungsweise 1.700 Euro je Quadratmeter. Die Bodenrichtwerte zum Stichtag 1. Januar 2026 blieben gegenüber dem Vorjahr unverändert (Stand: Grundstücksmarktbericht 2026).


Diese Werte sind Orientierungsgrößen, keine Preisschilder: Zustand, Energiekennwerte, Grundstück und Lage im Quartier verschieben das Ergebnis im Einzelfall deutlich. Einen breiteren Überblick über die Preisentwicklung gibt der Beitrag zu den Immobilienpreisen in Schwerin 2026.


Ein regionaler Punkt gehört ebenfalls zur Preisfindung: In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Grunderwerbsteuer 6,0 Prozent des Kaufpreises (Stand: Oktober 2026). Zusammen mit Notar- und Grundbuchkosten erhöht sie die Summe, die ein Käufer zusätzlich zum Kaufpreis aufbringen muss, und begrenzt damit sein Budget. Wer das beim Angebotspreis mitdenkt, erreicht mehr Interessenten, deren Finanzierung tatsächlich trägt.


Wenn der Preis schon zu hoch im Markt steht


Steht die Immobilie bereits länger online, ist die wichtigste Frage nicht die Höhe der nächsten Senkung, sondern die Ursache. Sinnvoll ist eine Bestandsaufnahme: Wie viele Aufrufe, Anfragen und Besichtigungen hat das Angebot erzeugt, und an welcher Stelle bricht die Kette ab? Viele Aufrufe ohne Anfragen deuten eher auf den Preis oder die Präsentation hin, viele Besichtigungen ohne Angebote eher auf Objektschwächen oder eine unklar angesprochene Zielgruppe. Preisanpassungen sollten dabei einem Plan folgen: nachvollziehbare, vorab festgelegte Stufen mit genügend Zeit dazwischen wirken besser als hektische Einzelentscheidungen.


Fazit: zuerst der Wert, dann der Preis


Der Angebotspreis ist kein Wunsch, sondern eine Entscheidung mit Folgen für Vermarktungsdauer und Ergebnis. Die Reihenfolge entscheidet: erst eine nachvollziehbare Bewertung auf Basis von Vergleichs-, Sach- oder Ertragswert, dann eine Preisstrategie mit klarem Startpreis und festgelegten Stufen, dann die Veröffentlichung mit vollständigen Unterlagen und guten Fotos. Dieser Beitrag ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung; für steuerliche Fragen rund um den Verkauf ist der Steuerberater der richtige Ansprechpartner.


Wenn Sie wissen möchten, in welcher Preisklasse Ihre Immobilie in Schwerin und Umgebung realistisch startet, sehe ich mir das Objekt und die vorliegenden Daten gern an und bespreche mit Ihnen die Spanne, die ich für belastbar halte.


Häufige Fragen zum Angebotspreis


Wie viel Prozent über dem Marktwert darf der Angebotspreis liegen?

Eine feste Prozentzahl gibt es nicht. Ein höherer Startpreis ist sinnvoll, wenn er Teil einer vorab festgelegten Preisstaffel ist und die Nachfrage laufend ausgewertet wird. Entscheidend ist, dass sich der Preis mit Vergleichsdaten begründen lässt und gängige Preisgrenzen der Portalsuche im Blick bleiben.

Die Immobilie erhält in den ersten Wochen zu wenig qualifizierte Anfragen, obwohl die Nachfrage nach einem neuen Angebot dann am größten ist. Ohne Plan folgen häufig hektische Preissenkungen, die Verhandlungsdruck signalisieren. Das verlängert die Vermarktungsdauer und endet oft unter dem Preis, der zu Beginn erreichbar gewesen wäre. Bei einer vorab festgelegten Preisstaffel sind Anpassungen dagegen Teil der Strategie und richten sich nach der tatsächlichen Nachfrage.

Grundlage sind tatsächlich beurkundete Kaufpreise vergleichbarer Objekte, die der Gutachterausschuss in seiner Kaufpreissammlung führt. Dazu kommen Zustand, Baujahr, Energiekennwerte, Grundstück und Lage. Portalanzeigen zeigen nur Preisvorstellungen und sind als allein maßgeblicher Vergleich nicht geeignet.

Das hängt davon ab, ob der Preis oder die Präsentation die Ursache ist. Anpassungen wirken am besten, wenn sie einem vorab festgelegten Plan folgen und nicht aus Ungeduld entstehen. Eine Pause mit anschließendem Neustart kann sinnvoll sein, wenn gleichzeitig Unterlagen, Fotos und Zielgruppe überarbeitet werden.

Der Grundstücksmarktbericht der Landeshauptstadt Schwerin nennt für 2025 bei sanierten freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern 2.530 bis 3.150 Euro je Quadratmeter Wohnfläche und bei durchschnittlich ausgestatteten Eigentumswohnungen im Mittel 1.940 Euro. Das sind Orientierungswerte; Zustand, Energie und Lage verschieben den Wert im Einzelfall deutlich.



 
 

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